Schülergruppe 1735

Gymnasium Canisianum Lüdinghausen

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Unsere Gruppe existiert seit dem Sommer 2001. Im Rahmen einer Projektwoche hat sich eine Gruppe von Schülern mit der Arbeit von Amnesty International beschäftigt. In dieser Woche ist die Idee zur Gründung einer eigenen Schülergruppe entstanden. Zur weiteren Information und zur Erinnerung könnt ihr den damals verfassten Bericht der Projektgruppe im Folgenden nachlesen.

Projektwoche 2001:
"Give Peace a Chance - Gemeinsam gegen Gewalt"

Projektgruppe Amnesty International

1. Tag: Folter - danach ist das Leben ein anderes

Amnesty International - was ist das überhaupt? Mit dieser Frage konfrontierten Wibke und Christian von der ai-Gruppe Münster die Projektteilnehmer am ersten Tag der Projektwoche 2001. "Eine Organisation, die sich für Menschenrechte einsetzt," so fiel die Antwort der meisten aus. Doch Genaueres wusste niemand. Aus reinem Interesse waren viele in die ai-Projektgruppe gekommen. Denn präsent und bekannt ist der Name Amnesty International allemal - doch was im Detail dahinter steckt, war bisher nur wenigen von uns klar. Was sind genaue Ziele von ai, mit welchen Mitteln wird versucht diese zu erreichen, wie lange kämpft ai schon für die Menschenrechte? All diese Fragen beantworteten uns Wibke und Christian. Beide seit einem Jahr in der ai-Ortsgruppe Münster tätig und nahmen sich auf Anfrage von Projektleiter Ulrich Temme einen Vormittag lang für uns Zeit. So erfuhren wir, dass sich Amnesty International schon seit fast 40 Jahren weltweit für die Rechte aller Menschen einsetzt. Insbesondere arbeitet die Organisation für die Freilassung gewaltloser politischer Gefangener, gegen die Folter und Todesstrafe, gegen die Abschiebung von Flüchtlingen, die in ihrer Heimat der Gefahr von Menschenrechtsverletzungen ausgeliefert sind, sowie gegen den internationalen Transfer von Waffen. Durch Veranstaltungen und Aktionen wie Ausstellungen oder Konzerte macht ai die Öffentlichkeit auf diese Arbeit aufmerksam und kann so viele Menschen erreichen und möglicherweise mobilisieren. Ein wesentlicher Aktionsschwerpunkt der ai-Mitglieder ist das Briefeschreiben: Entdeckt ai in einem Land beispielsweise Verstöße gegen die Menschenrechte, so werden die Mitglieder aufgefordert, die dafür Verantwortlichen durch eine Flut von Briefen, E-Mails oder Faxe unter öffentlichen Handlungsdruck und Zugzwang zu setzen. Denn es ist verständlich, dass insbesondere Politiker durch eine solche Aktion unter öffentlichen Druck geraten. Als Anschauungs-material hatten Wibke und Christian neben vielen ai-Infoheften auch eine mögliche Briefvorlage im Gepäck. Diese verdeutlichte uns die Vorgehensweise der Organisation noch einmal: Freundlich und sachlich, keineswegs aber unhöflich und zu emotionsgeladen sollen die Briefe sein. Amnesty International kämpft friedlich gegen Verstöße der menschlichen Grundrechte. Mit diesen vielen Informationen und so viel Hintergrundwissen ausgestattet war nach dem ersten Projekttag eine gute Basis für die Weiterarbeit geschaffen.

2. Tag: Todesstrafe - Wenn der Staat tötet

Am zweiten Tag unserer Projekttage zu "Amnesty International" haben wir uns mit dem Thema "Todesstrafe" beschäftigt, da es sich bei dieser Problematik um eines der Hauptanliegen dieser Organisation handelt. Seit den 40 Jahren ihres Bestehens kämpft ai für die weltweite Ächtung und Abschaffung der Todesstrafe.

Um einen Einstieg in die Diskussion zu ermöglichen, entschieden wir uns zu Beginn der Projektwoche dafür, den 1996 in den USA gedrehten Spielfilm "Dead man walking" anzuschauen. In einer vorangehenden kurzen Befragung stellte sich überraschenderweise heraus, dass unsere Gruppe dem Thema Todesstrafe durchaus kritisch und kontrovers gegenüberstand, was deren Sinn und Zweck betrifft und es wurde deutlich, dass bei einigen Gruppenmitgliedern Zweifel gegenüber der radikalen Ablehnung der Todesstrafe von ai existierten.

Der Film "Dead man walking" hält sich sehr eng an die gleichnamige Buchvorlage, die Autobiographie der katholischen Ordensschwester Helen Prejean, deren Rolle die Schauspielerin Susan Saradon übernimmt. Zweiter Hauptdarsteller des Films ist der zum Tode verurteilte Matthew Poncelet, gespielt von Sean Penn.
Matthew Poncelet bittet die Ordensschwester in einem Brief um ihren Beistand bis zu seiner Hinrichtung. Zunächst von dem Bild des evtl. unschuldig verurteilten Matthew überzeugt, versucht Helen mithilfe eines Anwalts das Todesurteil in eine lebenslängliche Haftstrafe umzuwandeln. Mit ihrem aufopferndem Engagement trifft sie allerdings sehr bald auf Verständnislosigkeit und Verachtung bei den Eltern der jugendlichen Opfer, die laut Anklage von Poncelet und dessen Gefährten auf grausame Weise vergewaltigt, getötet und in einem Wald zurückgelassen worden waren. Trotz der daraus resultierenden Erschütterung und der ablehnenden Haltung einiger ihrer Freunde und Verwandten lässt sich Helen nicht von ihrer Überzeugung abbringen, dass ein Mensch mehr sei als seine schlimmsten Taten, wobei sie sich immer wieder auf das Neue Testament beruft, in dem sie ganz klar zu verstehen glaubt, dass der Staat kein Recht zur Vollstreckung der Todesstrafe hat. Das Urteil der Richter kann durch Helens Bemühungen aber nicht mehr umgewandelt werden und so sieht sie es als ihre letzte Aufgabe an, den Verurteilten bis zu seinem Tode zu begleiten, wobei die Ordensschwester immer noch mit der kalten Haltung Poncelets und dessen arrogant wirkender Sturheit sowie Verschlossenheit zu kämpfen hat. Kurz vor der Vollstreckung allerdings gesteht Poncelet ein, dass er nicht nur Zuschauer der grausamen Tat, sondern ebenfalls Täter war. Dieses Bekenntnis macht aus dem Killer Matthew in Helens Verständnis einen "Sohn Gottes". Kurz vor seinem Tod bittet er die Angehörigen der Opfer um Vergebung und von der Liebe der Ordensschwester gestützt stirbt Poncelet durch die Giftspritze.

Diese eher grobe Zusammenfassung des Films macht bei weitem noch nicht deutlich, welch starken Einfluss der Film auf uns als Zuschauer hatte. Abgesehen von seiner Realitätsnähe ist bemerkenswert, wie der Film das Geschehen aus beiden Perspektiven zu beleuchten versucht, aus der des Täters und aus der der Opfer bzw. ihrer Eltern. Obwohl der Hauptdarsteller sich durchaus nicht gleich als Sympathieträger bezeichnen lässt und der Hass und das Verlangen nach Rache der Angehörigen nachvollziehbar wird, ist der Film dennoch als Kritik an der Todesstrafe zu verstehen, vielleicht gerade deshalb, weil Helen Prejeans Begründung auch für den zu Recht angeklagten Matthew Poncelet zutrifft.

In dem nun folgenden Gruppengespräch, das sich zunächst konkret am Film orientierte, später aber allgemeiner und grundsätzlicher wurde, versuchten wir ein individuelles Urteil zur Todesstrafe zu finden und zu begründen, was sich bei einigen Gruppenmitglieder immer noch als schwierig herausstellte. Im Hinblick auf die ablehnende Haltung von ai und ein möglicherweise direktes Engagement für die Ziele dieser Organisation ergab sich im Folgenden die komplizierte Aufgabe, nach Argumenten gegen die Todesstrafe zu suchen, welche sowohl auf einer ethischen (vgl. Die Würde des Menschen) als auch auf einer eher rationalen Basis (vgl. z.B.: Fall des Justizirrtums) liegen können. Helen Prejean begründet ihre ablehnende Einstellung zur Todesstrafe aufgrund ihres Glaubens und der Worte der Bibel. Für viele von uns war es recht schwierig eine vom Glauben unabhängige Stellungnahme zu begründen. Grundsätzlich vertritt ai neben seiner Unabhängigkeit von jeglichen Parteien auch keine festgelegten religiösen Standpunkte und beruft sich auf die für alle Menschen geltende "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte".

3. und 4. Tag: Alle waren sich einig - Wir gründen eine Schülergruppe / Die ersten Briefe und die Info-Wand

Nachdem wir uns am ersten Tag mit dem Thema "Folter" beschäftigt und die Arbeitsformen von Amnesty International kennengelernt hatten, am zweiten Tag u.a. mit Hilfe des Films "Dead man walking" das Thema "Todesstrafe" diskutiert hatten, beschlossen wir am 3. Tag unseres Projektes uns selbst aktiv für die Achtung der Menschenrechte einzusetzen.
Wir bekamen verschiedene "Urgent Actions" (Eilaktionen) zugeteilt, also aktuelle Fälle von Menschenrechtsverletzungen, für die man sich in einem bestimmten Zeitraum einsetzen sollte, indem man ein Fax, eine E-Mail oder einen Luftpostbrief an die jeweilige Botschaft oder Regierung schickte, um das betroffene Opfer vor seiner bevorstehenden Strafe oder vor politischen Intrigen zu bewahren. Es kann sich dabei um Folter, Morddrohung, Verfolgung, Isolation etc. oder sogar die Todesstrafe handeln.
Wir fanden uns in Gruppen zusammen, deren Mitglieder ein besonderes Anliegen an den jeweiligen Fällen hatten und begannen handschriftlich Briefe zu verfassen, was sich als gar nicht so einfach erwies, trotz der Formulierungshilfen, die Amnesty International in jeder "Urgent Action" zur Verfügung stellt. Jedoch mit gegenseitiger Unterstützung stellten die Gruppen ihre Briefe fertig. Anschließend wurden diese nochmals mit Hilfe des Computers verfasst, jedes Gruppenmitglied unterschrieb den Brief und stand so mit seinem Namen für die Menschenrechte ein. Jeder, dem ein Faxgerät etc. zur Verfügung stand, schickte den Brief sobald wie möglich ab, um dem Opfer so schnell es ging zu helfen. Wir hoffen, dass auch unsere Briefe dazu beitragen werden, die Lebensbedingungen der Menschenrechtsopfer zu verbessern. Am Ende dieser Projekttage haben wir uns dazu entschlossen, uns auch weiterhin in unserer Gruppe aktiv mit verschiedenen Aktionen für die Durchsetzung der Menschenrechte zu engagieren.

Nun ist es offiziell: Amnesty International - Schülergruppe 1735

Seit dem 20. Dezember 2001 haben wir nun einen offiziellen Gruppenstatus. Mit der Zuteilung der Schülergruppen - Nr. 1735 dürfen wir jetzt offiziell im Namen von Amnesty International arbeiten und öffentlich auftreten. Wir sind berechtigt Spenden für ai zu sammeln und bei den Eilaktionen im Namen von ai Briefe und Appelle zu verfassen. Seitdem führen wir jeden Monat einen Aktionstag zu einer aktuellen "urgent action" durch. In der Pausenhalle stellen wir den Mitschülern den jeweiligen Fall vor, stellen die politische Lage und die Menschenrechtssituation in dem jeweiligen Land vor, legen Unterschriftenlisten aus und informieren allgemein über die Arbeit von ai.

Bei unserer ersten Aktion im Dezember 2001 anlässlich des "Internationalen Tages der Menschenrechte" haben sich viele Schüler über unsere Arbeit informiert und an der Unterschriftenaktion beteiligt; außerdem konnten wir auch schon einige Spenden für ai sammeln.

In der nächsten Zeit wollen wir uns an der Kolumbien - Aktion von ai beteiligen. Dazu werden wir mehrere Banner gestalten, die dann nach Kolumbien geschickt werden, um die dortigen Menschenrechtsorganisationen zu unterstützen.

Alle Interessierten und Neugierigen sind jederzeit willkommen! Aktuelle Informationen und Termine findet ihr auf unserer Infowand in der Pausenhalle! Außerdem könnt ihr alle Gruppenmitglieder ansprechen!

Mitglieder der Gründungsgruppe in Sommer 2001